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Wer Theater spielt, hat "Blut geleckt". So ging es vielen Absolventen der Max-von-Laue-Schule. Dort hatten sie als Schüler in der Theater-Arbeitsgemeinschaft THAG mitgemacht und sind auf den Geschmack gekommen.
Also musste eine Laienbühne her, die auch den Erwachsenen erlaubte, in ihrer alten "Penne" wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu stehen. So entstand 1988 die "Studio-Bühne ehemaliger Schüler der Max-von-Laue-Schule".
Sie war neben der THAG die zweite Theatergruppe an dieser Schule, die über einen längeren Zeitraum kontinuierlich Stücke erarbeitet. Im Jahre 1988 kam unter Herrn Weises Regie das Stück "Kennen Sie die Milchstraße?" von Karl Wittlinger heraus. Zwei theaterhungrige Ehemalige hatten ihren "alten Pauker", Herrn Hans-Joachim Weise, gefragt, ob sie in Form einer Studio-Bühne wieder spielen dürften. Herr Weise hatte 1971 die THAG gegründet und bis 2008 geleitet.
Mit dem folgenden modernen englischen Drama "Der Hausmeister" von Harold Pinter war die Richtung der Studio-Bühne klar: Neben den populären Stücken, die die THAG zeigte, sollten hier auch experimentelle Aufführungen möglich
sein.
Gleichwohl folgte die Komödie "Viola" und der Krimi "Die Falle": Boulevard vom Feinsten ist für die Studio-Bühne nicht tabu. Von Ephraim Kishon, dessen Stücke schon zweimal auf dem Spielplan der THAG standen, spielten die "Ehemaligen" die Satire "Es war die Lerche".
Im Frühjahr 1994 zeigten sie zuerst die spritzige Konversationskomödie "Halb auf dem Baum" von Peter Ustinov und kurz darauf - in Form eines Bistro-Theaters - das kabarettistische Programm "Bühne frei - die Leichen kommen" des italienischen Autors Aldo Nicolaj.![]()
Von Jahr zu Jahr wurden mehr Vorstellungen gegeben. Auch der übliche Rhythmus, pro Jahr nur ein Stück mit der Studio-Bühne einzustudieren, wurde durchbrochen: Neben dem "Hauptstück" mit großem Ensemble traten immer öfter Soloprogramme.
Dieser Publikumszuspruch brachte es mit sich, dass erstmals in der Theatergeschichte der Schule ein Stück wiederaufgenommen wurde: "die Leichen" kam ein zweites Mal auf die freie Bühne.
So fiel die Entscheidung nicht schwer, auch im kommenden Jahr wieder zwei Produktionen der Studio-Bühne anzubieten. Auf dem Spielplan stand 1995 ein Abend mit bunten Szenen von Aldo Nicolaj. Unter dem Titel "Harmonie in Schwarz" treffen Männer und Frauen aufeinander, die mit makabrer Raffinesse ihre "Beziehungskisten" aufräumen. Eine weitere "Beziehungskiste", in der es mit höchst unterhaltsamer Bosheit rumpelt, zeigte das Stück "Königin Mutter" von Manilo Santanelli.
1996 - im Jubiläumsjahr der THAG - führte die Studio-Bühne das Ehedrama "Wer hat Angst von Virginia Woolf...?" von Edward Albee auf. Nach dem ernsten Stück war wieder Humor Trumpf, und die Studio-Bühne zeigte die "sehr britische" Komödie "Tischmanieren" von Alan Ayckbourn, dessen Fortsetzungsstück "Quer
durch den Garten" im darauf folgenden Jahr gespielt wurde.
Zwei Einpersonenstücke waren zusätzlich zu diesen Ayckbourn- Stücken zu sehen. Anfang 1997 zeigten wir "Johan vom Po entdeckt Amerika" von Dario Fo, der im Herbst des gleichen Jahres noch den Literaturnobelpreis überreicht bekam (Übrigens spielte die THAG im gleichen Jahr Fos "Mamma hat den besten Shit".) Ein Jahr später präsentierte die Studio-Bühne das Drama "Sibirien" von Felix Mitterer.
Goethes 250. Geburtstag feierte die Studio-Bühne mit einer Inszenierung seines Jugendwerks "Die Mitschuldigen". Die muntere Komödie hat der Dichterfürst bis ins hohe Alter geliebt, obwohl sie sich bis heute in den Spielplänen keinen Stammplatz erobern konnte - zu unrecht, wie unsere Aufführungen gezeigt haben.
Mit Boulevard vom Feinsten haben wir Horst Pillaus Stück "Leute von Welt" als Berliner Erstaufführung gezeigt. Das hintersinnige Spiel um den Konkurrenzkampf zweier Freunde war einer der größten Erfolge, den die Studio-Bühne je hatte.
Mit dem Zweipersonenstück "Offener Brief" von Brian Clark forderten wir dem Publikum viel Konzentration ab. Und obwohl es sich um ein so anspruchsvolles Konversationsstück handelte, wurde es zu einem großen Erfolg auf unserer Bühne.
Das Solo "Shirley Valentine oder Die heilige Johanna der Einbauküche" von Willy Russell war das umjubelte Charakterstück, das zum Lachen, Weinen und Mitdenken anregte.
Direkt vom Broadway kam die berühmte Vorlage "Sonny Boys" von Neil Simon. Das viel gespielte und oft verfilmte Meisterwerk über zwei alternde Komiker war auch bei der Studio-Bühne ein Renner. Eine Tragikomödie besonderer Güte.
Als Panorama weiblicher Neorosen eröffnete das Dreifrauenstück "Honigmond" ganz neue Einblicke in die Seele des schönen Geschlechts. Gabriel Baryllis Komödie begeisterte mit geistreichem Wortwitz und gekonnten Wendungen.
Was blüht einem, wenn die Jugend welkt? Ein Lifting! Das gleichnamige Stück von Pierre Chesnot mit seinem zeitlosen Witz ist Boulevard vom Feinsten.
Anspruchsvolle Unterhaltung bot unser Programm "Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen" von Christine Brückner. Die fiktiven Ansprachen historischer Frauen begeisterten unser Publikum.
Die mit reichlich hinterhältigem Humor gewürzte Komödie "Keine Spur von Reue" brachte das spannungsreiche Spiel der Generationen auf unsere Bühne.
Die Inszenierung von "Mensch ärgere Dich nicht" aus der Feder des jungen Autors Florian Battermann verabschiedete sich die Studio-Bühne von der angestammten Spielstätte, da ihr Leiter Hans-Joachim Weise 2009 in Pension ging.
Mit diesem Wechsel von heiteren und ersten Stücken, die anspruchsvoll unterhalten, hat die Studio-Bühne in 20 Jahren an der Max-von-Laue-Schule ein treues Publikum gehabt.
Als "Studio-Bühne Berlin" kehren wir 2010 an neuen Spielorten zurück.
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